Nutzeranforderungen an ein Psychologie-Fachportal: Ergebnisse einer Online-Befragung
Erich Weichselgartner
Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID), Trier
Personen oder Institutionen, die sich mit dem Informationsbedarf in den Wissenschaften qua Auftrag befassen, gestalten ihre Produkte und Dienstleistungen in enger Anlehnung an ihren jeweiligen Bezugsrahmen, also „top down“. Nachdem der Informationsbedarf heute in der Regel online gedeckt wird, bieten Bibliotheken ihre Kataloge via Web-OPAC, Fachinformationszentren ihre Fachdatenbanken via Web-Retrieval, Universitäten ihre Veröffentlichungen via OA-Publikationsserver, Verlage ihren Content mittels Pay-per-View an, usw., usf. Aus zahlreichen Studien ist bekannt, daß die Nutzerinnen und Nutzer gerne auf ein integriertes Informationsangebot zugreifen möchten (Zukunft der wissenschaftlichen und technischen Information, Arthur D. Little, Wiesbaden, 2002; Volltextdienst infoconnex, IMAC, Konstanz, 2002; Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Informationen in der Hochschulausbildung, sfs Dortmund, 2003). Den Weg zu integrierten Informationsangeboten gehen die meisten Einrichtungen separat: Bibliotheken lizensieren elektronische Fachdatenbanken und elektronische Volltexte, die sie mit Hilfe von Spezialprodukten wie SFX von Ex Libris virtuell verknüpfen. Fachinformationsanbieter versuchen, Content für die ortsungebundene Nutzung von Verlagen zu lizensieren und ebenfalls mittels Open Linking mit ihren Fachdatenbanken zu verbinden (z.B. infoconnex). Verlage wiederum versuchen durch verlagsübergreifende Aggregierung eine kritische Masse an wissenschaftlichen Inhalten für die Recherche anzubieten (z.B. Scirus von Elsevier). Bibliotheken, Fachinformationseinrichtungen oder einschlägige Verbünde (infoconnex, vascoda) entwickeln Portale, die die Angebote aus ihrer jeweiligen Sicht integrieren sollen, mit unterschiedlicher Akzentuierung von Haupt- und Nebenprodukten.
Neben den aufgeführten institutionellen „players“ gibt es im Bereich der wissenschaftlichen Information noch „grass roots“ – Initiativen, die aus der ubiquitären Verfügbarkeit des Internet hervorgesprossen sind. Reflektieren sie einen „bottom up“ – Prozeß, der Lücken in der Informationsversorgung abdeckt? Welche Informationsangebote möchten denn die Nutzerinnen und Nutzer eines wissenschaftlichen Fachportals wirklich haben? Das ZPID hat dazu im Juli 2006 mit dem Online Panel Site Tool von Globalpark eine Online-Umfrage durchgeführt, die speziell Versorgungslücken bzw. abweichende Priorisierungen aufdecken sollte. Insgesamt haben knapp 500 Personen an der Umfrage teilgenommen, wovon wiederum die Hälfte alle Fragen beantwortet hat. Eine erste unsystematische Auswertung zeigt, daß die Nutzer vor allem die fachliche Vollständigkeit und Breite (einschließlich internationaler Quellen), Übersichtlichkeit, Praxisbezug, Aktualität, Seriosität, die Einbindung verwandter Angebote und den freien Zugang zu den Quellen wünschen.
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