Nachlese zur Jahrestagung 2005 der
IuK-Initiative in Bonn
Die Jahrestagung der
IuK-Initiative der wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland wurde vom
9.-11.5.2005 unter dem Motto „In die Zukunft publizieren“ vom IZ
Sozialwissenschaften in Bonn ausgerichtet und organisiert. Mehr als 100
Teilnehmer aus den Fachgesellschaften, aus Bibliotheken, Verlagen und Firmen,
der DFG und dem Projektträger Neue Medien in der Bildung +Fachinformation des
BMBF nahmen an der Veranstaltung teil.
Open Access und Urheberrecht
Der ersten Vorträge waren dem
Urheberrecht und den Open Access Aktivitäten gewidmet.
Die Open Access-Bewegung hat
das Ziel, dass möglichst viel wissenschaftliche Information im Internet frei
verfügbar und nutzbar gemacht wird. Die Open Access Bewegung wird von den
wichtigsten wissenschaftlichen Institutionen und
Wissenschaftsförderorganisationen in Deutschland, siehe etwa die Berliner
Erklärung zu Open Access http://www.zim.mpg.de/openaccess-berlin/berlindeclaration.html,
unterstützt und vorangetrieben. Die Wissenschaftler sollen Ergebnisse und
Publikationen auf den Servern im Internet kostenlos zur Verfügung stellen, etwa
auf den Web Servern ihrer Institutionen oder auf fachspezifischen
Publikationsservern.
Das Urheberecht ist eine
wichtige Rahmenbedingung für den Zugang und den Umgang mit Informationen in der
Bildung und im Wissenschaftsbereich. Das deutsche Urheberrecht wird gegenwärtig
im Rahmen einer EU-Richtlinie zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des
Urheberrechts überarbeitet. Seit September 2004 gibt es einen Referentenenturf
für das „Zweite Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft“.
Es besteht die große Gefahr, dass die bisher im Urheberrecht für gedruckte
Medien bestehenden Privilegien und Ausnahmebestimmungen für Bildung und
Wissenschaft nicht beibehalten werden. Die bisherigen Ausnahmeregelungen für
Bildung und Wissenschaft laufen automatisch am 31.12.2006 aus.
In Deutschland hat sich ein
Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaften“ http://www.urheberrechtsbuendnis.de/index.html
formiert. Die „Göttinger Erklärung“ vom 5.7.2004 ist der Appell, gesetzliche
Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen freien und ungehinderten Zugang zur
weltweiten Information für Bildung und Wissenschaft sicherstellt.
In einigen Vorträgen wurden konkrete
Projekte zu Open Access vorgestellt, u. a. die Entwicklung neuer Open Access
Zeitschriften oder die Beteiligung daran. Die Kenntnis, Verbreitung und
Akzeptanz von „Open Access“ als Publikationsalternative unterscheidet sich, wie
auch empirische
Untersuchungen zeigen, in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. Die
wissenschaftlichen Institutionen sind in der Pflicht, den Zugang zu
wissenschaftlicher Information als Teil ihrer strategischen Aufgabe anzusehen (siehe
dazu auch den Bericht
vom Göttinger Symposium „Wissenschaftliche Kommunikation der Zukunft -- Open
Access“).
Open Access und die Aktivitäten
des Aktionsbündnisses „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ haben das gemeinsame
Ziel, den Zugang zu Informationen für Bildung und Wissenschaften nachhaltig zu
fairen Bedingungen sicherzustellen. Die IuK-Initiative unterstützt diese
Aktivitäten.
Elektronisches Publizieren und
Informationssysteme
Die Vorträge der Schwerpunkte
„Elektronisches Publizieren“ und „Informationssysteme“ deckten inhaltlich ein
breites Spektrum ab
- Kommunikatives Publizieren
- XML-basiertes Publizieren
- Zugang zu heterogenen Informationen: Fachspezifische community-basierte
Informationssysteme und Portale
- Suchmaschinen-Technologien und Trends
Es wurden die Aktivitäten der
Fachgesellschaften und Infrastruktureinrichtungen vorgestellt, um Information
und Kommunikation zu organisieren und den Zugang zu den Informationen zu
verbessern
Evaluation
Evaluation in den
Wissenschaften ist vielschichtig, umfasst etwa das Ranking der Universitäten,
aber auch die Begutachtung und Beurteilung von Projektanträgen und
Projektergebnissen. Die DFG plant mit der Neugründung des „Instituts für
Forschungsinformation und Qualitätssicherung“ (IFQ) sowohl die Informationen
über die von ihr geförderten Forschungsaktivitäten auszubauen als auch
zuverlässige Techniken für die Evaluation dieser Aktivitäten zu entwickeln
(vgl. auch das Informationssystem zu
DFG-geförderten Projekten und das DFG-Förderranking).
Zukunft der IuK-Initiative – In eigener Sache
Die IuK-Initiative als Verein
Die IuK-Initiative sieht sich als
legitime Vertreterin der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im
IuK-Bereich. Wie die Entwicklung um eScience zeigt, werden die Aufgaben in
diesem Bereich zunehmend komplexer, etwa durch die Aufbereitung und
Bereitstellung von Rohdaten als weitere wichtige Informationsquellen (z.B. PsychData), die automatische Verarbeitung
der Informationen, oder die Archivierung und der Zugang zu den Informationen.
Die IuK-Initiative will zur Entwicklung und Profilierung der wissenschaftlichen
Information und Kommunikation beitragen.
Um auch in Zukunft dieser Rolle
gerecht werden zu können, will sich die IuK-Initiative einem breiten Kreis
interessierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler öffnen. Dazu bereitet
dar Sprecherkreis (Executive
Board) derzeit eine Vereinsgründung vor. Vorab müssen noch eine Reihe
inhaltlicher und organisatorische Fragen geklärt werden. Wir werden Sie über
diese Mailingliste auf dem Laufenden halten.
Mailing Listen
Die IuK-Kommission hat in der diesjährigen Kommissionssitzung am
9.5.05 in Bonn beschlossen, die bisher fächerspezifisch organisierten
E-Mail-Listen zu einer einzigen Liste
(maillist@iuk-initiative.org)
zusammenzuführen (als einzige fachspezifische Liste wird IuK-DMV
weitergeführt). Über diese Liste werden Ihnen wichtige und aktuelle
Information zu Fragen der Information und Kommunikation im
wissenschaftlichen Bereich zugehen. Zudem möchten wir Sie ermuntern,
Ihre Kolleginnen und Kollegen durch eigene Beiträge an maillist@iuk-initiative.org zu unterstützen. Vielen Dank! [Wolfram Sperber/Erich Weichselgartner]
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